Mumbai Downtown

Mumbai, 10.+11.1.2012

Kreuzberg @ Nariman Point

Mittlerweile habe ich mich in Mumbai etwas eingelebt, die ersten Tage verlaufen ruhig, und werden hauptsächlich durch meine talks mit Daniel und einfache Mahlzeiten bestimmt. Traditionell gibt es bei Daniel „Veg Pulao“, also Reis mit Gemüse und „Kitcherie“ (Reis und Linsen, die mit diverse Gewürzen – etwas matschig, aber lecker). Und bei Daniel gibt es viel Chai zu trinken, das ist indischer Schwarztee (sieht aus wie Granulat und eignet sich für andere Teezubereitungen nicht), der mit einer Gewürzmischung (Chai-Massala), Ingwer, Kardamon, Zucker, Wasser und Milch aufgekocht wird. In Gujarat ist er so süß, dass ein Löffel senkrecht drin stecken bleibt.

Für Trinkwasser gibt es in jedem Haushalt eine spezielle Prozedur – insbesondere gibt es für Trinkwasser meist einen eigenen Tank, der morgens oder abends befüllt wird (Wasser aus der Leitung kommt meist nur stundenweise) und in den einzelnen Wohnung durch je nach Haushalt unterschiedliche Aufbereitungsanlagen trinkbar gemacht wird und in Stahl- oder Kupfergefäßen aufbewahrt wird. Allerdings empfiehlt es sich für Touristen idR, das Trinkwasser trotz des ganzen Aufwands vorher noch mal abzukochen, sonst sind Durchfälle vorprogrammiert, was insbesondere bei Zugreisen ziemlich lästig werden kann (die Klos in den Zügen sind meist unbeschreiblich). Auch wenn man erst mal kein Problem mit nicht abgekochtem Trinkwasser hat, ist es langfristig nicht unwahrscheinlich, dass man sich diverse Mitbewohner im Darm zulegt, die es sich dort mitunter jahrelang gemütlich machen.

Für den späten Nachmittag haben sich Wanja und Leona, zwei Freunde aus Deutschland, angekündigt. Wanja hat im Rahmen eine Austauschprogramms ein Jahr lang in einer Familie in Nagpur gelebt und kommt seitdem immer wieder nach Indien, seine Freundinn Leona hat nach ihrem Abi eine Asienreise angetreten, beide haben sich in Indien verabredet und konnten es einrichten, ein paar Tage zu und nach Mulund zu kommen. Am Mittwoch früh erwarten wir außerdem noch Thoralf, meinen Kollegen aus der taz-edv, der schon seit Anfang Dezember in Indien unterwegs ist und in den nächsten 10 Tagen mit mir in Gujarat unterwegs ist. Das Center ist also voller Deutscher und es kommen Erinnerungen an die 90ger auf, als regelmäßig deutsche Gruppen im Rahmen des GIB-Programmes (GIB: Gesellschaft für internationale Begegnungen) das Center besuchten um sich über die Aktivitäten von Hansa und Daniel, sowie die gewaltfreien sozialen Bewegungen (Gandhianer, Sarvodaya usw)  im Allgemeinen  zu informieren.

Am Mittwoch geht es dann mit allen downtown ins Zentrum von Mumbai, wir schauen uns den im viktorianische Stil gebauten und gut erhaltenen Bahnhof „Victoria Terminus“ an, der von allen nur kurz „viti“ genannt wird, machen einen Abstecher zum „Gateway of India“, dem Wahrzeichen von Mumbai an seiner Südspitze, und besuchen dann „Haji Alifs Tomb“, ein muslimisches Grabmal, das mitten im Meer vor Mumbais Küste gebaut wurde und mit dem Land nur durch einen schmalen Zugang verbunden ist, der bei Flut unter Wasser steht, sodass man den Eindruck haben könnte wie Jesus über das Wasser zu schreiten. Zwischendurch gibt es kleine, ausgesprochen leckere Snacks („Chaat“), in kleinen Restaurants, die ausgesprochene Geheimtipps sind. Abends treffen wir uns mit Daniel im „Shant Asharam“, ein Zentrum der Gandhianer mit einer schönen Ausstellung zu Vinoba Bahve und einem großem Buchladen mit Literatur, die sich mehr oder weniger ausschließlich mit Mahatma Gandhi befasst. Mit Daniel geht es dann abends in der Nähe des „Nariman Points“ (der Skyline von Mumbai) in den Bollywood-Film „Don 2“ mit dem Superstar des indischen Films „Sha Rukh Khan“. Der action-reiche Film spielt übrigens hauptsächlich in Berlin, ist schon ein etwas bizarres Erlebnis mit einer deutschen Gruppe in einem indischen Kino einen Hindi-Film zu sehen, der ein paar Straßenzüge weiter spielt, wo man selber gerade herkommt, es gibt übrigens auch diverse Dialoge in Deutsch, die dann für das indische Publikum englisch untertitelt sind.