In Mumbai

Mumbai, 29.1.2012

downtown chocolates

Daniel hat Sabine und mich um eine kleine Präsentation im Shantashram gebeten, es geht um das Thema „Gleichberechtigung von Frauen“, Sabine wird hauptsächlich reden und erzählt aus ihrer Arbeit bei Zuffs, ich kann das danach um ein paar Beispiele zu dem Thema aus dem taz-Umfeld ergänzen.

Der Shantashram ist eine Einrichtung von Gandhianern, die im Parterre des Ashrams (das sind Lebensgemeinschaften auf religiöser, spiritueller oder politischer Basis) den „Gandhian Bookstore“ betreiben, in dem es alles denkbare an Literatur über Gandhi & Vinoba gibt. Ein Stockwerk höher gibt es eine sehr ausführliche Ausstellung zum Leben von Vinoba (siehe einen früheren Blogeintrag dazu), außerdem diverse Büros um die Arbeit der Gandhianer zu koordinieren und große Veranstaltungsräume. Das Publikum unserer Präsentation ist eine Klasse von etwa 16-18 Jahre alten indischen Schülerinnen, die über einen längeren Zeitraum ein Programm mit Seminaren zu den verschiedensten politischen Themen durchlaufen.

Wir haben uns nicht unbedingt nach dieser Präsentation gedrängt, besonders für Sabine ist das Ganze ein ziemlicher Vorbereitungsaufwand und nach der anstrengenden Reiserei in Gujarat hätten wir auch mal einen Tag Pause vertragen, aber wir können Daniel die Bitte auch schlecht abschlagen. Die Mädels hören interessiert zu, fragen artig nach und bedanken sich, aber wieviel sie wirklich davon mitnehmen, bleibt ungewiss. Immerhin versuchen wir einen trockenen Vortragsstil zu vermeiden und Sabine hat sich methodisch einiges überlegt, um die Stimmung etwas aufzulockern, aber insgesamt gerät das Ganze erwartungsgemäß doch etwas förmlich.

Danach kehren wir zur Belohnung am Nanak Chowk (Guru Nanak ist einer der Heiligen der Sikhs) in der Nähe des Ashrams in eine kleine Konditorei ein, und gönnen uns jedeR eine Praline und einen Kaffee. Diese Konditoreien gibt es in vielen größeren Städten, sie verkaufen sehr aufwendig dekorierte Sahnetorten zu (für indische Verhältnisse) horrenden Preisen. Vor einigen Jahren (zu unserem 15ten Beziehungsjubiläum) haben wir uns mal eine dieser Torten in einer Konditorei in Gathkopar, nahe wo Daniel und Hansa früher mal ihr Center hatten, bestellt (mit einer dem Anlass entsprechenden Aufschrift), sie war fast zu schade zum essen, aber hat dann auch wirkliche sehr gut geschmeckt. Danach geht es zum Sonnenuntergang am „Chowpatti Beach“, eine ausgedehnte Standpromenade ebenfalls in Laufweite. Der Strand ist halbwegs sauber, aber das Wasser hier erwartungsgemäß nicht sehr sauber, trotzdem gibt es ein paar unentwegte, die sich zum schwimmen rein trauen.

Hier gibt es immer viel zu sehen, vor allem viele junge Paare, die händchenhaltend ihre erste Romanze erleben. Normalerweise sind Zärtlichkeiten und sogar Berührungen in der Öffentlichkeit in Indien absolut verpönt, aber hier gibt es ein paar Ecken, wo sich die jungen Leute zurückziehen können und zaghaft Zärtlichkeiten austauschen. Zu unserer Verblüffung sehen wir auch vollverschleierte junge Muslimas, die hier mir ihrem lover ungezwungen Hand in Hand entlang schlendern.

Bekannt ist „Chowpatti Beach“ auch für seinen bemerkenswerten Blick auf die Skyline von Mumbai, in Richtung downtown wachsen die Wolkenkratzer des „big business“ in den Himmel. Außerdem scheint heute irgendein Hindu-Festival zu sein, denn Gruppen junger Männer tragen mit viel Tamtam große Standbilder hinduistischer Gottheiten ins Wasser und versenken sie darin.