Bombay 2015

Indien, Oktober 2015

Ankunft in Indien

Nachdem ich in den letzten Jahren nicht dazu gekommen bin, diesen Blog fortzuführen, hoffe ich dass es diesmal klappt. In der Zwischenzeit ist viel passiert, nach Möglichkeit werde ich darüber schreiben.

Der größte Einschnitt für Sabine und mich ist der etwas überraschende Tod von Hansa im Herbst 2013. Glücklicherweise konnten wir sie wenige Wochen vorher noch sehen und hatten eine gute Zeit mit ihr. Ein Teil ihrer Asche wurde im Januar 2014 im Frauen-Ashram in Paunar beigesetzt. Dass wir zu diesem Ereignis anreisen konnten hat uns viel bedeutet.

Eine weitere Zäsur ist sicher auch der Amtsantritt von Narendra Modi als indischer Ministerpräsident. Modi ist ein Politiker, der für die schlimmsten religiös motivierten Pogrome in der jüngeren indischen Geschichte mitverantwortlich gemacht wird und vertritt eine äußerst rechts gerichtete Politik. Auch darüber und weitere Themen werde ich nach Möglichkeit berichten.

Diesen Herbst reisen Sabine und ich zunächst 4 Wochen zusammen. Wir starten mit einer Woche im Bombay Sarvodaya Friendship Center bei Daniel, einem langjährigem Friedensaktivisten, Netzwerker und Gandhianer. Ab 1.11. werden wir mit seiner Familie, also außer Daniel mit seinen beiden Söhnen Michael und Anand sowie Michaels Frau Swati unterwegs sein, dann vermutlich ein paar Tage Freunde auf dem Land besuchen und zum Abschluss ein paar Tage „Holidays“ in Jodhpur / Rahasthan einbauen. Ende November muss Sabine dann wieder zurück nach Deutschland, ich selber bleibe noch bis Ende Dezember in Indien.

Die Ankunft in Mumbai (Bombay) war dieses mal insofern ungewöhnlich, als wir Mittags anstatt früh morgens landeten und daher erst mal durch den alltäglichen Verkehrsstau mussten, bevor wir bei Daniel in Mulund (einem Vorort von Mumbai) einliefen. Um so anstrengender, als Mumbai gerade von einer extremen Hitzewelle heimgesucht wurde, was für Mumbai ungewöhnlich ist, denn hier herrscht normalerweise ein relativ ausgeglichenes Klima. Jedenfalls traf uns die Hitze mit voller Wucht und hatte uns die erste Woche voll im Griff. Da wir beide außerdem in den letzten Monaten in Deutschland eine sehr arbeitsintensive Zeit hinter uns hatten, hingen wir ziemlich schlaff in den Seilen und unternahmen nicht viel. Leider war die Hitze so arg, dass wir auch nachts kaum Schlaf fanden. Allerdings macht dies Daniels Gastfreundlichkeit doppelt wett, bei unserer Ankunft gab es gleich von Daniel handgemachte Dosa, hauchdünne und sehr knusprige Waffeln aus Reismehl und weißen Linsen. Außerdem bauen wir wann immer möglich einen Stop im „Rutchi“ ein, ein kleines vegetarisches Restaurant in Mulund, wo es vor allem meine Lieblingsspeise „Phav Bhaji“ gibt, ein würziger Gemüsemix mit Zwiebeln und Brötchen. Bis auf die unvermeidlich Butter im Brötchen fast vegan.

Die ersten Tage in Mumbai laufen in etwa immer gleich ab: SIM-Karten besorgen / aufladen, leckere Snacks in einem Geschäft für Delikatessen aus Gujarat („Hari Om“) kaufen, Chai und talks mit Daniel entweder bei Ihm im Zentrum oder auf einem Sprung im „Rutchi“, wo wir uns gerne über Chaat her machen, eigentlich indisches street food (und daher für uns eigentlich zu riskant), aber im Rutchi halbswegs sicher und sehr lecker, nachts die Hitze und morgens den Jetlag aushalten. Wir halten uns mit griechischem Mokka bei Laune, der übrigens auch bei unseren indischen Freunden sehr gut ankommt. Toll auch immer die erste Rasur bei einem indischen Friseur – das ist immer eine kleine Wellnesskur fürs Gesicht mit Zupfen der Augenbrauen, Gesichts- und Kopfmassage und „face wash“, meist bekommt man zwischendurch diverse Lotionen und Wässerchen ins Gesicht gerieben, das ganze dauert etwa 20-30 Minuten und kostet je nach Standort zwischen 30-60 Rupien, also 45-80 Cent. Spätestens am dritten Tag sitzen wir mit Daniel im neuesten Bollywood-Film, meist allerdings gut eingepackt, denn die meisten indischen Kinos drehen die Klimaanlage voll auf und es ist eiskalt im Saal. Für Verwunderung sorgt idR auch, dass wir uns Karten für die vorderen Reihen kaufen, denn Inder sitzen am liebsten soweit wie möglich hinten. Diesmal im „Nirmala Life Style“ eine total abgewrackte Mall in Mulund, aber eine security wie im Flughafen. Die Klos sind so herunter gekommen, dass man sich fast nicht traut es zubetreten. Beim Anblick des Klojungen, der hier den ganzen Tag verbringt, vergeht mir fast die Lust auf Kino. Diesmal „Shaandaar“, ein Film fast ohne Story, aber viel Singerei und Tanzerei, was uns entgegen kommt, weil wir eh vom Hindi nichts verstehen.

Ein weiteres Thema für die ersten Tage in Indien ist meist das Organisieren von Zugtickets. Insbesondere dieses mal gibt es für die meisten Strecken kaum Tickets weil in wenigen Tagen „Diwali“ startet, das indische Neujahrfest und eines der wichtigsten Feste im Jahr. Über Diwali setzt idR eine intensive Reisetätigkeit ein und die Zugtickets sind meist schon Wochen vorher ausverkauft. Für Touristen bleibt dann meist nur „Tourist Quota“, ein kleines Kontingent an Zugtickets, das für Touristen reserviert ist, allerdings nur wenige ausgewählte Züge in Gegenden von touristischem Interesse.

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