Indien 2016

Indien, Dezember 2016

Leben ohne Bargeld

Hallo. Auch bei dieser Reise werde ich nach Möglichkeit versuchen, hier ab und zu mal was zu schreiben. Dieses Mal geht es für mich am 3.12.2016 los, Sabine folgt eine Woche später. Mitte Dezember dann zu unseren Freunden nach Gujarat, vorraussichtlich werden wir uns ein paar Tage in Mozda, ein Adivasi-Dorf in einem Wild-Reservat aufhalten, in dem Swati und Michael seit vielen Jahren arbeiten. Der weitere Verlauf der Reise ist noch in Planung, sicher werden wir ein paar Tage nach Goa fahren und wir haben uns vorsichtshalber schon mal ein Ticket nach Trichy gesichert, ganz im Süden Indiens.

Bahnhof Mulund, der Stadtteil Mumbais, in dem wir überwiegend leben. Welche medizinischen Leistungen hier erbracht wurden, ist auf dem Schild zu lesen.

Bahnhof Mulund, der Stadtteil Mumbais, in dem wir überwiegend leben. Welche medizinischen Leistungen hier erbracht wurden, ist auf dem Schild zu lesen.

Dieses Mal gibt es wieder eine besondere Herausforderung: Die Regierung Modi hat Anfang November alle Banknoten größer als 100 Rs (etwa 1,30 €) für wertlos erklärt, das betrifft insbesondere die 500 Rs und 1000 Rs Noten. Damit werden 80% des indischen Bargelds vernichtet, Ziel ist der Wechsel zu einer bargeldlosen Wirtschaft und vorgeblich insbesondere die Bekämpfung von Korruption und Schwarzgeld. Beides sind zwar reale Geiseln für Indien und es wäre gut, dagegen wirksam vorzugehen. Tatsächlich sind aber nur wenige Prozent des Schwarzgeldes Bar in Umlauf. Die Bankkonten, auf denen die wirklich hohen Beträge ruhen, werden nicht angetastet. Wirklich treffen wird es den ärmeren Teil der Bevölkerung, denn die meisten haben kein Bankkonto und haben große Schwierigkeiten ihre Noten bis Ende des Jahres umzutauschen. Wobei ein Umtausch an sich inzwischen gar nicht mehr möglich ist, denn die Noten müssen auf ein Bankkonto eingezahlt werden. Da viele wie gesagt ein solches nicht haben und auch nicht stundenlang ohne Aussicht auf Erfolg in einer Schlange stehen können, blühen die Geschäfte einer neue Dienstleistung: Umtausch über Mittelsmänner, die für ihren Service eine saftige Provision kassieren – etwa 20%. Der überwiegende Teil des Geldes, das so getauscht wird, ist wiederum Schwarzgeld, womit sich das ganze Verfahren ad absurdum führt.

Auch für Reisende wie uns ist diese Maßnahme eine Herausforderung. Pro Woche dürfen Touristen maximal 5000 Rs umtauschen (etwa 69 €), sprich das meiste muss per Kreditkarte bezahlt werden. Allerdings gibt man in Indien als Tourist seine Kreditkartendaten nur ungerne heraus. Bankautomaten (bislang der einfachste Weg, an Bargeld zu kommen) geben momentan nur maximal 2500 Rs pro Tag aus, allerdings eher theoretisch, denn kaum ein Bankautomat gibt zur Zeit überhaupt etwas aus, ebenso wie die meisten Banken.

Gegen diese ganze Aktion gibt es von vielen Seiten großen Widerstand. Weniger gegen eine Währungsreform an sich, sondern vor allem weil sie so chaotisch abläuft und schlecht vorbereitet ist. Allerdings bleibt die Modi-Regierung hart und will das ohne wenn und aber durchziehen. Wir werden es in den nächsten Wochen live miterleben und ich bin gespannt, wie die Menschen sich damit arrangieren.

Kaum ein ATM, der Geld ausspuckt.

Kaum ein ATM, der Geld ausspuckt.