Ausklang

9.-18.2.2012

Varkala und Mumbai

Meine Indienreise nähert sich allmählich dem Ende. Nach dem Desaster im Nature Cure haben Sabine und ich uns entschieden, noch ein paar Tage nach Varkala zu fahren, noch etwas weiter im Süden, kurz vor Trivandrum. Wir haben schon öfters mal was von dem Ort gehört, es soll dort recht schöne Strände geben. Von Kottayam aus geht es in Richtung Süden, die Fahrt dauert nur ein paar Stunden, eine aufwendige Reservierung ist also diesmal nicht nötig,. In Kottayam verabschieden wir uns auch von Lea, die wieder zurück nach Bangalore fährt.

Die Fahrt an der südindischen Küste ist wunderschön, man fährt mit dem Zug durch die Backwaters und üppige Wälder mit Kokosnußpalmen. Sabine telefoniert etwas rum und reserviert ein Zimmer in Varkala. Das kostet zwar üppige 800 Rs die Nacht und ist somit etwas überteuert, aber es ist halbwegs ordentlich und hat ein wirklich großzügiges Badezimmer.

Landschaftlich ist Varkala tatsächlich ganz hübsch, aber anders als wir dachten. Statt ausgedehnter Strände gibt es eine durchgehende Steilküste, mit einigen kleineren und einem etwas größerem Strand, der Zugang geht allerdings nur durch die Klippen. Am oberen Rand der Klippen reiht sich Fischrestaurant neben Fischrestaurant, abends werden vor den Restaurants große Tische aufgebaut, die vor frisch gefangenen Fischen nur so überquellen, z.T. sehr große Exemplare mit bis zu 2 Metern Länge. Das Angebot ist gemessen an der Anzahl der Gäste so reichlich, dass vermutlich nur ein kleiner Teil wirklich auf dem Grill landet und das meiste dann zum Markt geht. Die Restaurants wechseln sich mit Schmuck-, Souvenir- und Klamottenläden ab (hauptsächlich Tibeter und Kaschmiris), die übliche Mischung, die wir schon von diversen anderen touristischen Orten wie Goa, Darjeeling oder Daramshala kennen. Das besondere an Varkala ist allerdings das Ausmaß, das Ganze zieht sich über mehrere Kilometer an den Klippen lang, es sind sicher mehrere Hundert Restaurants und Läden, die sich dicht an dicht drängen, dazwischen tausende von Touristen aller Nationen. Im Gegensatz zu Goa trifft man allerdings auf alle Altersklassen.

Nachdem wir in zurückliegenden Wochen touristisch weitgehend unerschlossenes Gebiet bereist haben, wirkt diese Massenabfertigung wie ein Schock auf mich, das Ganze hier ist ein Rummel, wie ich ihn sonst nur selten in Indien angetroffen habe. Die überwiegend westlichen Touristen bleiben ihrem eigenen Klischee weitestgehend treu, die Frauen meist mit Trägerhemdchen und schlabbrigen Pluderhosen (die mit den indischen Frauenhosen kaum was gemein haben), manchmal auch in Leggins oder sogar nur im Badeslip mit kurzem Hemdchen darüber. Die Männer häufig auch in Pluderhosen oder in den allgegenwärtigen wadenlangen Trekkinghosen. Westler, die sich (gemessen an den Standards in Indien) etwas dezenter kleiden, sieht man eigentlich so gut wie gar nicht. Bei den Pluderhosen hat sich offensichtlich das an den Beinen bis auf Kniehöhe zusammengenähte Modell durchgesetzt. Irgendwie sieht das alles wie eine Karikatur seiner selbst aus.

Der Renner hier sind natürlich die diversen Möglichkeiten, sich einer Ayurveda-Behandlung zu unterziehen. Sabine bucht eine mehrtägige Behandlung und es scheint, man bekommt hier deutlich mehr für sein Geld als im Nature Cure von Sister Jothi. Allerdings sind die Preise ziemlich gesalzen, für normal verdienende Inder ist das sicher nichts.

Ansonsten ist es aber nett, die vielen privaten Besuche sind gut aber gelegentlich auch anstrengend und man hat wenig Zeit für sich. Hier können wir endlich mal ein paar Tage die Seele baumeln lassen, lesen, schlafen, zwischendurch kleine Snacks, besonders „Momos“, kleine Teigtaschen nach tibetischen Rezepten haben es mir angetan, mal was ohne viel Öl. Einzig die Hitze macht uns zu schaffen, nachts ist mein Kopfkissen schnell tropfnass und ich wende es ständig in alle möglichen Richtungen, um vielleicht doch noch eine kleinem, trockene Stelle zu finden. Allerdings gibt es am dritten Tag ein ordentliches Gewitter, bei dem beträchtliche Mengen Wasser abregnen, wobei es sich deutlich abkühlt.

Nach ein paar Tagen geht es für mich dann wieder zurück nach Mumbai, wo ich die letzten Tage meines Urlaubs bei Daniel im Center verbringe. Die Zugfahrt beginnt morgens um 10:00 und zieht sich dann über den ganzen Tag, die darauffolgende Nacht bis zum nächsten Mittag hin. Zwischendurch muss ich mich gelegentlich mal den unvermeidlichen Fragen der Mitreisenden stellen, aber im Großen und Ganzen habe ich meine Ruhe und kann lesen und mein Tagebuch schreiben.

Die letzten Tage bei Daniel sind mir bei allen Reisen besonders wichtig. Zum einen weil ich nie weiß, wann ich das nächste Mal kommen kann und ob er dann noch bei so guter Gesundheit ist wie bisher. Aber auch weil Daniel ein sehr angenehmer Gastgeber ist, er lässt mich meinen Kram machen, ist aber immer für einen Snack, einen Tee oder einen kleinen Plausch zwischendurch zu haben. Obligatorisch ist in den letzten Tagen immer mein Gang in die Videoläden, um mich mit einer kleinen Auswahl der aktuelle Bollywood-Filme zu versorgen. Daniel schaut sich genauso gerne Bollywood an wie ich, daher gibt es an diesen Tagen abends immer ein kleines Filmprogramm mit seinem Computer. Leider hat meine Brille auf dieser Reise ein paar ordentliche Kratzer abbekommen, Daniel kennt einen befreundeten Optiker, der mir innerhalb weniger Stunden für umgerechnet 12 Euro neue Gläser einsetzt, die den Vergleich mit Gläsern aus Deutschland nicht zu scheuen brauchen.

Und so fliegen die letzten Stunden mit Daniel dahin, während ich die letzten Zeilen meines Weblogs zur diesjährigen Indienreise schreibe. Wenn Euch das Lesen Spaß gemacht hat, dürft Ihr es mir ruhig sagen.